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Rente mit 70 ist nichts anderes als eine Rentenkürzung – warum ETFs für die Altersvorsorge die bessere Antwort sind

Während in Berlin erneut über eine „Rente mit 70“ gestritten wird, hält Katharina Dauenhauer von Dauenhaucher Consulting den Blick lieber auf den Kapitalmarkt gerichtet. „Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters kommt meist einer Rentenkürzung gleich“, sagt sie – und plädiert stattdessen für eine stärkere Beteiligung der Bürger an Aktien und ETFs, um Altersarmut vorzubeugen. 

Diskussionen über längeres Arbeiten und Rente mit 70 werden wieder aufgewärmt.  Was halten Sie von solchen Ideen? 

Generell stehe ich dem sehr kritisch gegenüber. Aus dem Austausch mit Kunden wissen wir: Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters kommt meist einer Rentenkürzung gleich. Im Alter von über 65 Jahren weiterzuarbeiten ist für viele Menschen in Deutschland allerdings nicht erstrebenswert.

Ein Engagement am Aktienmarkt, das zu den persönlichen Einstellungen und Zielen sowie dem eigenen Anlagehorizont passt, halte ich für die deutlich bessere Lösung.  

Wenn der Staat den Menschen ermöglichen würde, im Rahmen der Altersvorsorge stärker am langfristigen Kapitalmarkt zu partizipieren, könnten Altersarmut und ein späterer Rentenbeginn reduziert werden. 

Da reicht schon ein Blick auf einen MSCI World ETF: Über die letzten zehn Jahre konnte eine zweistellige geometrische Durchschnittsrenditen pro Jahr erzielt werden! Das können die staatliche Rente oder unprofitable Anlagen wie Bausparverträge, Rieser-Rente und Tagesgeld nicht realisieren. 

Ein Bremsklotz auf dem Weg dahin: Wir lassen uns in Deutschland mehr von der Verlustangst treiben, anstatt Volatilität als normalen Bestandteil des Investierens zu verstehen.  

Europaweit gelten unter anderem Norwegen und Schweden als überzeugendes Positivbeispiel, wenn das Thema Vorsorge zur Sprache kommt. Was können wir daraus lernen?  

Natürlich sind das Volkswirtschaften, die sehr individuell geprägt sind. Das norwegische Konzept stützt sich zum Beispiel auf Öleinnahmen, die wir in Deutschland nicht haben.  

Auch sind die Länder kleiner und es leben weniger Menschen in der Region. Ein pauschaler Vergleich ist damit nur begrenzt möglich. 

Klar ist dennoch: Unsere europäischen Nachbarn machen uns in Teilen vor, wie eine moderne staatliche Altersvorsorge aussehen kann. Nicht so wie bei uns. Sondern mit einer klaren Initiative hin zum Kapitalmarkt, der zwar Risiken, aber auch mehr Aussichten auf finanzielles Wachstum bietet. 

Auch lohnt sich ein Blick über den großen Teich: Der 401(k)-Plan, der in den USA sehr große Popularität genießt, ist auch eine attraktive Möglichkeit, um über Aktien und ETFs vorzusorgen. Steuerlich begünstigt und mit Beteiligung des Arbeitgebers. 

Sehen Sie bestimmte Berufs- oder Altersgruppen heute besonders von Armut im Alter gefährdet und warum? 

Arbeiten bis 70? Katharina Dauenhauer hält das für den falschen Weg. © Caroline Pitzke 

Arbeiten bis 70? Katharina Dauenhauer hält das für den falschen Weg. © Caroline Pitzke

Eine leider nicht ausreichend gesehene Zielgruppe sind Frauen ab 45 Jahren, die das Thema Vermögensaufbau bislang noch nicht priorisiert haben.  

Und hier geht es keinesfalls nur um Beschäftigte in schlecht bezahlten Berufen. Schon Frauen mit solidem Einkommen können die staatliche oder betriebliche Altersvorsorge, wenn überhaupt als Grundsicherung auslegen. Mit einem Konzept für nachhaltigen Vermögensaufbau oder Sicherung des Lebensstandards im Alter hat das aber nichts zu tun. 

Teilzeit oder Selbstständigkeit können diese Umstände um ein Vielfaches verschärfen. Liegen angesparte Gelder in Tagesgeld- oder Girokonten oder sind in Riester- oder Bausparverträgen geparkt, ist die Lage noch problematischer.  

Dramatisch wird es für viele Frauen dann, wenn die Scheidung on top kommt. In diesem Fall sehen viele Frauen einer finanziellen Katastrophe im Alter entgegen. Das finanzielle Ruder muss dann unbedingt in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren herumrissen werden.

Finanzielle Unabhängigkeit vom Partner, Versicherungen, aber auch der gesetzlichen Rente und Pflegeversicherung hat insofern längst aufgehört, ein „Nice to Have” zu sein. 2025 und darüber hinaus ist es ein „Must-Have“.  

Wie helfen Sie als Unternehmerin dabei? 

Als Dauenhauer Consulting ist es unser Ziel finanzielle Bildung für Privatanleger und diejenigen, die es werden wollen, möglich zu machen. 

Wir wollen Privatpersonen mit meist gut bezahlten Beschäftigungsverhältnissen den Zugang zu finanzieller Bildung transparent und ohne reißerische Versprechungen vereinfachen. 

Wir werben nicht mit unrealistischen Versprechungen nach schnellen Gewinnen. Es geht uns darum, einen strategischen Weg für nachhaltigen Vermögensaufbau für unsere Kunden zu finden. 

Wir vermitteln, wie sehr es sich lohnt, auch im Alter von 45, 50 oder 55 Jahren noch zu investieren und Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen.  

Warum halten so viele Beschäftigte am wackeligen, staatlichen Rentensystem fest? 

Fakt ist, dass die Angst vor finanziellen Verlusten bei vielen Menschen größer ist als die Aussicht auf finanzielle Gewinne. Das raubt Interessenten dann die Initiative überhaupt loszulegen.  

Ich meine: Die meisten Menschen überschätzen das Risiko einer klugen Investmentstrategie.  

Ein an das Alter und die Lebenssituation angepasstes Konzept bietet Renditen, die in zehn bis fünfzehn Jahren an der Börse möglich sind und echte finanzielle Absicherung ermöglicht. 

In den USA wird über Bitcoin-Reserven gesprochen. Gehört den Kryptowährungen die Zukunft? Müssen Bitcoin und Co. in jedes sichere Konzept zur finanziellen Absicherung?  

Das liegt in der Hand eines einzelnen Anlegers. Gerade in Zeiten von niedrigen Einkaufspreisen kann dieses Asset Sinn machen. Idealerweise als Teil einer fundierten, langfristigen Strategie, die Risiken ausbalanciert. 

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass wir über eine vergleichsweise volatile und risikoreiche Anlage sprechen. 

Neue Technologien, wie die Diskussion um Bedrohungen für Krypto aufgrund von Quantencomputing, bringen eine weitere Unbekannte auf den Plan. Risikoaverse Investoren dürfen Kryptowährungen daher auch meiden. Selbst wenn es starke Signale aus den USA gibt, die auf Reserven abzielen. 

Für das Hier und Jetzt gibt es genügend Möglichkeiten, auch im Alter von 45 plus noch am Kapitalmarkt einzusteigen. Wichtig ist, zügig und zielgerichtet in die Umsetzung zu kommen. 

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